Anstand – zeitgemäß oder für die Mottenkiste?


 Barbara|  18. Februar 2018|  Keine Kommentare|   Lesedauer: 2.06 min.

„Anstand ist der Respekt vor der Würde des anderen“ – so schrieb es der schweizer Aphoristiker Paul Schibler.

Seitdem es Menschen gibt, die in Gemeinschaft leben, braucht es Regeln, Gebote, einen Verhaltenskodex, um friedlich und „in Anstand“ miteinander auskommen zu können. Diese Regeln müssen von der Gesellschaft immer wieder neu definiert und der Zeit angepasst werden. Dies sind auch die ungeschriebenen Gesetze, die universell sind, immer Gültigkeit haben und unentbehrlich für ein „anständiges“ Miteinander sind.

Manches gehört sich eben so, ist mündlich überliefert und hat sich über lange Zeit hinweg bewährt.

Anstand ist gleichzusetzen mit Gerechtigkeit, Solidarität, Fairness, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Wertschätzung, Wohlwollen, Respekt und Rücksicht. Er hat zu tun mit Vorbild, Ordnung, Einfühlsamkeit und Interesse am anderen. Er ist ein sozialer Schmierstoff und Voraussetzung für das Zusammenleben und Miteinanderauskommen.

Auf der einen Seite haben wir Sehnsucht nach dem Modernen, nach Offenheit und Veränderung, nach Freiheit und Aufbruch. Und auf der anderen Seite haben wir Sehnsucht nach Verlässlichkeit, Sicherheit, Ehrlichkeit, Toleranz und Wahrung unserer Persönlichkeit.

Entscheidung gefragt?

Müssen wir uns nun zwischen dem einen oder dem anderen entscheiden?

Ohne die Gegenwart von Anstand fühlen sich viele Menschen alleine gelassen, desorientiert, verunsichert, überfordert und hilflos, anderen ausgeliefert. Die ungeschriebenen Gesetze des Anstands hingegen geben Sicherheit im Umgang mit sich selbst und anderen und steigern den Erfolg. Denn Anstand bestimmt die Umgangsformen und die Lebensart. Er ist die wertschätzende, rücksichtsvolle und tolerante Einstellung gegenüber allen Menschen.

Anstand verbietet ungefragtes Überschreiten persönlicher Grenzen und ist weitaus mehr als die sich verbreitende Politiker-Floskel „Wir müssen uns hier ehrlich machen“ (sind Politiker denn sonst nicht immer ehrlich?)

Anstand bedeutet: sich im Zaum zu halten, sich zu beherrschen, sich im Griff zu haben, sich zu zügeln, manche Dinge nicht zu tun, obgleich sie erlaubt wären – und das aus einem ganz persönlichen, gesunden Empfinden heraus.

Denn: „Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ ist auch heute noch eine gültige Weisheit des Volksmundes.

Anstand ist immer modern, zeitgemäß und unerlässlich für ein gutes Miteinander. Also nichts für die Mottenkiste!


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